Inkontinenz

Ein Drittel aller Parkinson-Patienten weisen Blasenstörungen auf, welche im Laufe der Zeit als Folge zunehmenden Alters oder zunehmender Erkrankungsdauer zunehmen.
Patienten mit Parkinson-Syndrom im Rahmen einer Multisystematrophie leiden sogar noch häufiger an Blasenstörungen. Die Blasenentleerung wird durch Neurone der dorsolateralen Brücke sowie im Sakralbereich gesteuert. Im Tierversuch sind zudem dopaminerge Nervenzellen an der Einleitung der Miktion beteiligt.
Klinisch klagen die meisten Betroffenen über Nykturie. Möglicherweise ist eine verlangsamte Sphinktererschlaffung für die Miktionsstörung verantwortlich. Außerdem entwickelt sich durch den Verlust der hemmenden Wirkung der Substantia nigra eine Überaktivität des Detrusors. Die verfügbaren Score-Systeme zu Miktionsstörungen können nicht zwischen neurogenen oder prostatabedingten Beschwerden differenzieren.
Parkinsonspezifische Therapien von Miktionsstörungen sind nicht etabliert. Üblicherweise werden wie bei anderen neurogenen Blasenentleerungsstörungen Anticholinergika verwandt. Parkinson-Medikamente scheinen dagegen individuell unterschiedliche Wirkungen auf die Blasen entleerung zu haben. Bei unzureichendem Therapieerfolg kann die urodynamische Untersuchung wertvolle Hinweise für die weitere Behandlung geben. (bu)

 

Quelle:Winge, K: Bladder dysfunction in parkinsonism: mechanisms, prevalence, symptoms, and management, Zeitschrift: MOVEMENT DISORDERS, Ausgabe: 21 (2006), Seiten: 737-745