Geschichte zu den Jupsons

Ein Zeichentrickfilm für Kinder über Parkinson  oder die Geschichte zweier Optimisten, die nie aufgeben 

Anfangen wo es anfängt?  OK. Dann sind wir in Naurath/Wald, ein 240 Seelendorf im Hunsrück. Im Hause Stüber.  Rainer Stüber ist seit  4 Jahren an Parkinson erkrankt. Er ist  42  Jahre alt und hat 2 Kinder im Alter von 7  und 4 Jahren. Luka, der ältere stellt viele Fragen, die sich auf die  Veränderungen beziehen, die er bei seinem Vater in letzter Zeit beobachtet hat.  Er hat das Glück, dass er Eltern hat, die offen und kindgerecht erklären was er wissen möchte. Einfühlsam und ohne ihn zu überfordern. Der kleinere Maximilian stellt keine Fragen, aber seine Eltern merken trotzdem, dass auch er die Veränderungen registriert. Er verbalisiert sie aber nicht.  Eltern sind oft mit der Situation überfordert, Kindern auf verständliche Art und Weise zu erklären was eine Krankheit wie Parkinson bedeutet ,ohne sie zu verängstigen.  

Mit dieser Situation konfrontiert, kam Rainer Stüber die Idee etwas zu erarbeiten, was Kindern hilft Parkinson besser zu verstehen. Als Frank Michler, 44, selbst seit 4 Jahren an Parkinson erkrankt und wie Rainer Stüber Vorstand von Jung und Parkinson, im gemeinsamen Gespräch  die Idee hatte, einen Zeichentrickfilm zu machen, waren die Jupsons geboren. 

Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum? 

Mit einer grob skizzierten Handlung machen sich Rainer Stüber und Frank Michler auf die Suche nach einem Animationsstudio und fanden mit Lars Seiffert aus Köln einen kompetenten und erfahrenen Zeichner. Der geschätzte Künstler aus Köln, der u.a auch schon an Produktionen für die Sendung mit der Maus und Siebenstein mitarbeitete, nahm den Auftrag gerne an. Eine Arbeit zu solch einem Thema hatte er bis dahin noch nicht geleistet, arbeitete sich jedoch komplett in die Materie ein. Zusammen mit Frank Michler entstanden die ersten Szenen  und Thommy die Identifikationsfigur für Kinder, war geboren. 

Zwei auf Parkinson spezialisierte  Oberärzte des Universitätsklinikums Homburg  PD Dr. Jörg Spiegel und Dr. Marcus Unger erklärten sich bereit, den Film fachlich zu begleiten.  Gemeinsam mit ihnen wurden die  einzelnen Symptome herausgesucht, die in dem Film genannt und erklärt werden sollten. 

Während Frank Michler und Lars Seiffert festlegten, dass der Film  aus der Kinderperspektive und im Rückblick erzählt werden soll und weitere Szenen entstanden, wurde jemand gesucht, der  in der Lage  war, den Text zu der Geschichte kindgerecht zu entwerfen . Frank fragte Uta Zorn, der er als Sozialpädagogin, ehemalige Krankenschwester und betroffene Mutter, die nötige Fachkompetenz zutraute, die es braucht, dass Kinder verstehen und sich verstanden fühlen können. 

Das Team, das die Jupsons  mit Leben füllen sollte war nun vorerst komplett.  

Im Laufe der Zeit nahmen die Jupsons immer mehr Gestalt an. Neben der Frage wie die Charaktere dargestellt werden sollten und welche medizinischen Inhalte der kindgerechten Erklärung bedürfen, waren , um der Zielgruppe gerecht zu werden, auch pädagogische Fragen zu beantworten. Klare Ziele wurden formuliert, was sollte die genaue Botschaft sein? Was kann was auslösen, wenn dies oder jenes gesagt wird etc.pp.?  

Das Ziel sollte sein , dem Kind einen angstfreien Umgang mit Parkinson zu ermöglichen. Es sollte deshalb die Krankheit und deren Symptome kennen, um bestimmte Verhaltensweisen seiner Eltern bzw. des kranken Elternteils zu verstehen. Es sollte erfahren, dass Parkinson keine Erkrankung ist, vor der man Angst haben muss. Zwingend notwendig war eine positive Botschaft. Ein Kind von 5 Jahren ist noch viel zu jung um den Schrecken dieser Erkrankung zu erfahren.  Daher sollte der Film kindgerecht aufklären und nicht ängstigen 

So wurde  mit Tommy eine Figur erschaffen, die Kindern die Möglichkeit gab, sich mit ihr zu identifizieren.   

Kinder werden auf verschiedenen Ebenen angesprochen. Auf der emotionalen Ebene, die vor allem im ersten Teil des Films angesprochen wird sowie auf kognitiver Ebene. Auf der emotionalen Ebene fühlen sich (vor allem kleinere)  Kinder verstanden, die ihre Ängste nicht unbedingt verbalisieren. Sie können sich in Tommy hinein fühlen  bzw. sich selbst wieder erkennen. Sie erfahren, das es noch jemand gibt, der die gleichen oder ähnlichen Fragen stellt bzw. ähnliche Ängste hat. Das Kind fühlt sich nicht mehr so alleine. 

Ältere Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene  können den Film ebenso als Aufklärungsfilm nutzen, da er auf Symptome aufmerksam macht, die oft dazu führen, dass Parkinsonkranke mit Vorurteilen begegnet wird. 

Die Arbeit ging weiter: der Text wurde zum Drehbuch geschrieben, dann musste das Drehbuch wieder dem Text angepasst werden. Die eine Szene war zu kurz, jener Text zu lang. Szenen kamen dazu andere fielen weg …..und und und 

Unzählige Telefonate. Dann die Freude über die ersten Bilder, und schließlich... Das Storyboard! . Nun begann der Feinschliff. Die Texterin überarbeitete erneut den Text, manchmal nur um einzelne Wörter, schließlich ging es darum die Kinderperspektive einzuhalten. Wieder wurden Szenen erweitert oder verkürzt. Zwischenzeitlich musste alles von den Oberärzten der Uniklinik auf Richtigkeit überprüft werden.  

Was die psychologische Seite angeht wurde ein erfahrenen Kinderpsychiater und Frau Professor Ria Zeit- Degott aus der Systemischen und Familientherapie und Dozentin im Fachbereich frühkindliche Erziehung, darum gebeten Stellung zu dem Film zu nehmen. Wir bekamen nicht nur grünes Licht sondern ein positives Feedback.   

Dann fehlte nur noch das Tonstudio. Mit Katharina Jücker, die den Text sprach und Herry Schmitt, der den Film vertonte und mit eigens selbst komponierter Musik versah, war das Team und letztlich auch der Film komplett. 

Die Gesundheitsministerin Monika Bachmann übernahm die Schirmherrschaft über die Jupsons und vor der eigentlichen Premiere wurde der Film einer alters gemischten Gruppe von ca. 20 Kindern gezeigt. Die Vorführung war ein Erfolg. Der saarländische Rundfunk berichtete in seiner Sendung „Aktueller Bericht“ sehr positiv darüber. Auch bei der eigentlichen Premiere im Saarlouiser Rathaus war das Feedback sehr positiv. Die erste Resonanz  sowohl aus der Öffentlichkeit als auch aus der psychologischen  und pädagogischen Fachschaft ist ebenfalls positiv. Ebenso der Einleitungstext zum Film, von dem wissenschaftlichen Referent des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München und stellvertretender Vorsitzender des Kinderschutzbundes LV Bayern, Dipl.  Psychologe Wilfried Griebel. 

Abschließend bleibt zu sagen. 

Die zwei Optimisten hatten mal wieder Recht!!!!!!!!!! 

von uz