Parkinson Symptome treten bereits Jahre vor der Diagnose auf

Veröffentlicht am 9.12.2014 auf pdf.org


Eine neue Studie der Krankheitsakten von 8.000 an Morbus Parkinson (MP) Erkrankten in Großbritannien zeigt, dass an MP Erkrankte Symptome wie remor (Zittern) und Verstopfung bereits bis zu 10 Jahren vor ihrer Diagnose erleben. Das Ergebnis dieser Studie wurden in der Online-Ausgabe von The Lancet Neurology vom 27. November 2014 veröffentlicht.

Mediziner diagnostizieren MP meist aufgrund von Bewegungsstörungen. Allerdings sind beim störenden Auftreten der Anzeichen wie Tremor oder Rigor (Steifheit) bereits mehr als 50% der Dopamin-erzeugenden Neuronen, die die Kontrolle unserer Bewegungen beeinflussen, bereits zerstört. Die Forschung konzentriert sich darauf, Therapien zu entwickeln, die diesen Zelltod verlangsamen oder stoppen. Diese „neuroprädiktiven“ Therapien sind effektiver wenn sie so früh wie möglich angewendet werden.

Da andere Symptome wie Depressionen bereits vor den Bewegungsstörungen erscheinen haben Forscher unter Leitung von Dr. Anette Schrag vom University College London, in den Krankenakten von mehr als 50.000 Patienten in Großbritannien nach frühen Anzeichen von MP gesucht. Sie fanden 8.166 davon, bei denen zwischen 1996 und 2012 MP im Alter von 50 und mehr Jahren diagnostiziert wurde. Die Untersuchung umfasste die 10 Jahre vor der Diagnose, wobei die Einträge der Hausärzte analysiert worden sind. Diese wurden mit denen von 46.755 Gesunden mit ähnlichem Alter und Lebensumständen verglichen.

Die Ergebnisse

10 Jahre vor der Diagnose zeigten mehr als doppelt so viele an MP Erkrankte Anzeichen wie Tremor und Verstopfung als Gesunde.

5 Jahre vor der Diagnose zeigten sich bei den MP-Patienten wesentlich öfter Tremor, Gleichgewichts-Störungen, Verdauungsprobleme, niedriger Blutdruck, Erektionsprobleme, Blasenstörungen, Müdigkeit, Unsicherheit, Depressionen und Angstzustände.

2 Jahre vor der Diagnose wiesen sie mehr Rigor und Gedächtnisprobleme auf als Gesunde.

Was bedeutet das?

Dies ist die bisher größte Untersuchung von Parkinson-Symptomen vor der Diagnose über einen längeren Zeitraum. Das Ergebnis bestätigt, dass außer den Bewegungsstörungen noch andere Anzeichen zur Früherkennung existieren.

Die große Einschränkung der Studie ist,dass die Teilnehmer nicht zwingend nach dem ersten Auftreten der oben genannten Anzeichen durch einen Neurologen untersucht worden sind. Deshalb ist nicht sicher, ob das eine frühere Diagnose ermöglicht hätte. Auch wurden die Teilnehmer nicht direkt von den Forschern untersucht, die Diagnose erfolgte also aufgrund der Krankenakten. Bemerkenswert ist, dass obwohl Diejenigen, die die oben genannten Anzeichen aufwiesen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an MP erkrankten, die Mehrheit davon nicht krank wird.

Jedenfalls kann diese Studie,zusammen mit anderen zu besseren Methoden der Früherkennung führen, auch durch neuroprotektiven (nervenschützenden) Behandlungen, die an frühen Stadien von MP getestet werden müssen. Ein besseres Verständnis der frühen Anzeichen von MP ermöglicht es den Forschern, Teilnehmer an den klinischen Untersuchungen von frühzeitigen Behandlungsmethoden zu finden.Allerdings sind weitere Forschungen nötig. Diese Studie reicht noch nicht dazu aus, einen zuverlässigen Test zur Früherkennung von MP zu entwickeln.

Dr. Anthony E. Lang, M.D., von der University of Toronto weist darauf hin, dass Parkinson weiterhin schwer zu diagnostizieren ist. Es gibt keinen definitiven Bluttest,Scan oder “Biomarker”. Tatsächlich könnten einige der Teilnehmer der Studie inkorrekt als an MP erkrankt diagnostiziert worden sein. In jedem Fall leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Methoden zur Früherkennung von MP.


Quellen: Schrag A, Horsfall L, Walters K, Noyce A, Petersen I (2014) Prediagnostic Presentations of Parkinson’s Disease in Primary Care: A Case-Control Study. The Lancet Neurology DOI: 10.1016/S1474-4422(14)70287-X Published online November 27, 2014 

The full text is available for free at: http://dx.doi.org/10.1016/S1474-4422(14)70287-X

Übersetzung: Christian Mögel