Multi-System-Atrophie (MSA)

Die Multi-System-Atrophie (MSA) ist eine degenerative Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Dabei sterben spezielle Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns ab. In welcher Weise sich die Erkrankung äußert, hängt davon ab, welche Hirnregion von den Schädigungen betroffen ist. Häufig leiden Personen mit einer Multi-System-Atrophie an Bewegungsstörungen, Problemen bei der Blasenentleerung, niedrigem Blutdruck (Hypotonie) oder auch an Symptomen, die der Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) ähneln. Die kognitiven Fähigkeiten wie Merkfähigkeit, Denken und Orientierung bleiben dagegen bei der MSA erhalten. Wegen dieser Symptomvielfalt glaubte man früher, es handele sich um unterschiedliche Erkrankungen. Heute werden die folgenden Unterformen zur Multi-System-Atrophie zusammengefasst:

 

Shy-Drager-Syndrom (MSA-SDS)

Striato-Nigrale Degeneration (MSA-SND)

Olivo-Ponto-Zerebelläre Atrophie (MSA-OPCA)

 

 

Diese Krankheitsbilder beschreiben alle den Abbau bestimmter Nervenzellen in speziellen Hirnregionen. Vor allem Menschen ab dem sechsten Lebensjahrzehnt sind von der Multi-System-Atrophie betroffen. Dagegen wurde vor dem 30. Lebensjahr noch kein MSA-Fall registriert. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig. Weder eine familiäre Häufung der Multi-System-Atrophie noch eindeutige äußere Risikofaktoren sind bekannt.

 

 

Beschwerden: Wie äußert sich eine Multi-System-Atrophie?

 

Die Multi-System-Atrophie kann sich durch Parkinson-Symptome, sogenannte Autonome Störungen oder Funktionsstörungen des Kleinhirns äußern. Sie schreitet kontinuierlich fort, wobei die unterschiedlichen Krankheitszeichen zunächst einzeln, im weiteren Verlauf auch parallel auftreten können.

 

Parkinson-Symptome

Charakteristische Parkinson-Symptome, die bei einer Multi-System-Atrophie auftreten, sind verlangsamte Bewegungen, Steifigkeit der Muskulatur sowie Sprech- und Schluckstörungen. Im Vergleich zur Parkinson-Erkrankung schreiten die Symptome bei der Multi-System-Atrophie wesentlich rascher fort. An dem für die Parkinson-Krankheit typischen Ruhezittern (Ruhetremor) leiden Patienten mit einer Multi-System-Atrophie jedoch nur selten.

 

Funktionsstörungen des Kleinhirns (Zerebelläre Ataxie)

Das Kleinhirn ist für den koordinierten Ablauf von Bewegungen zuständig. Die Multi-System-Atrophie verursacht Schäden dieses Hirnteils, entsprechend treten Bewegungsstörungen auf. Vor allem die Koordination des Gangs ist stark gestört.

 

Autonome Störungen

Zu den autonomen Störungen bei einer Multi-System-Atrophie zählen Schwindel und Benommenheit, Erektionsstörungen sowie Störungen der Blasenentleerung. Häufig ist auch die Blutdruck-Regulation beeinträchtigt. Vor allem nach dem Aufstehen sinkt der Blutdruck deutlich ab. In einigen Fällen geht die Multi-System-Atrophie auch mit Schlafproblemen oder Depressionen einher. Autonome Störungen treten oft schon Jahre vor den Bewegungsstörungen auf.

 

 

Diagnose: Wie wird eine Multi-System-Atrophie diagnostiziert?

 

Das Erscheinungsbild der Multi-System-Atrophie ist sehr komplex, daher ist eine zuverlässige Diagnose – vor allem zu Beginn der Erkrankung – schwierig. Wichtige Informationen erhält der Arzt durch eine sorgfältige Befragung des Patienten (Anamnese). Treten autonome Störungen und Bewegungsstörungen gemeinsam mit Parkinson-Symptomen auf, ist die Diagnose der Multi-System-Atrophie wahrscheinlich. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Parkinson-Symptome schnell voranschreiten und schlecht oder gar nicht auf Medikamente ansprechen. Zusätzlich durchgeführte Untersuchungen dienen vor allem dazu, andere Krankheiten als Ursache auszuschließen.

 

Einen konkreten Verdacht auf eine Multi-System-Atrophie liefern die Symptome erst bei fortgeschrittener Erkrankung. Bildgebende Untersuchungsmethoden wie die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) oder die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) stützen die MSA-Diagnose. Letzten Endes kann nur eine Untersuchung des Gehirns verstorbener Patienten eine endgültige Diagnose liefern.

 

 

Behandlung: Wie kann eine Multi-System-Atrophie behandelt werden?

 

Die Multi-System-Atrophie kann nicht geheilt werden. Auch gibt es bisher keine Behandlung, durch die der Krankheitsverlauf verlangsamt werden kann. Alle therapeutischen Maßnahmen beschränken sich daher auf die Milderung der Symptome, um die Lebensqualität der Betroffenen so weit wie möglich zu erhalten.

 

Parkinson-Symptome

Für die Parkinson-Symptome einer Multi-System-Atrophie stehen Medikamente aus der Parkinson-Therapie zu Verfügung. Allerdings spricht nur ein Teil der Betroffenen darauf an. Sprech- und Schluckstörungen können nicht mit Medikamenten behandelt werden. Hier ist ein gezieltes logopädisches Training sinnvoll. Kommt es zu einem vollständigen Verlust der Sprechfähigkeit, kann ein spezieller Sprachcomputer eingesetzt werden.

 

Bewegungsstörungen (Zerebelläre Ataxie)

Für durch eine Multi-System-Atrophie ausgelöste Bewegungsstörungen gibt es keine medikamentöse Behandlung. Ratsam ist regelmäßige Bewegung, eventuell unterstützt durch Physiotherapie.

 

Autonome Störungen

Oft leiden Menschen mit Multi-System-Atrophie an niedrigem Blutdruck (Hypotonie). Einfache Maßnahmen wie häufige kleine Mahlzeiten, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr oder das Tragen von Stützstrümpfen verhindern, dass der Blutdruck übermäßig absinkt. Blasenentleerungs-Störungen können mit Medikamenten nur unzureichend behandelt werden.

 

 

Prognose: Wie ist die Prognose bei einer Multi-System-Atrophie?

 

Die Multi-System-Atrophie ist nicht heilbar. Die Symptome können teilweise gelindert werden, aber es ist bisher nicht möglich, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten. Nachdem die Diagnose gestellt wurde, beträgt die mittlere Überlebenszeit rund neun Jahre. Letztlich sterben die Patienten an den Folgen der Krankheit. Häufigste Todesursache bei der Multi-System-Atrophie ist eine Lungenentzündung (Pneumonie) infolge der mangelnden Bewegungsfähigkeit.

 

 

Vorbeugung: Wie kann man einer Multi-System-Atrophie vorbeugen?

 

Der Multi-System-Atrophie lässt sich nicht vorbeugen, da die Ursachen der Krankheit unbekannt sind. Für Betroffene ist eine gesunde Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung empfehlenswert. In jedem Fall führen Gifte wie Alkohol und Nikotin zu einer Verschlechterung der Symptome. Daher ist es ratsam, vollständig darauf zu verzichten.

 

Quelle: Medproduction.de